Hopfenfüchse

10 Fragen an die Hopfenkanzlerin

14.10.2018 von Gege

Wieder einmal wollen wir Euch eine Person aus dem kleinen aber feinen Craftbier-Kosmos vorstellen. Heute dreht sich alles um die Hopfenkanzlerin.

die HopfenkanzlerinKurzer Steckbrief der Hopfenkanzlerin

Als Bierliebhaberin seit dem ersten Schluck entflammte meine Leidenschaft für Craftbeer allerdings erst so richtig während meines Auslandssemesters in Ohio. Dort versuchte ich mich motiviert, aber hoffnungslos durch die paradiesischen Craftbeermassen zu trinken – es hatte mich gepackt. Einmal zurück ging es gleich weiter zum Studium nach Italien und Spanien – da fieberte ich mit, wie die Craftbeerszene nach und nach wuchs. Jede meiner Reisen ist mittlerweile auch immer eine kleine Craftbeer-Erkundungstour. Zum Glück akzeptiert mein Umfeld wohlwollend, dass ich ab und an einen kurzen Pitstop an einer Bar oder Brauerei einlege. Dabei ist es aber nicht nur das Trinken an sich, das ich toll finde. In meinen Posts auf Instagram spiegelt sich vielleicht auch mein Interesse als (Bier-) Historikerin (hihi) wider. Gerade die Hintergründe eines Bierstils oder die Geschichte einer Brauerei faszinieren mich. Trinken und lernen also – mittlerweile lerne ich auch by doing und braue hobbymäßig selbst. Meine Überzeugung: Bier macht glücklich!


Und jetzt zu den 10 Fragen...

1. Deine Definition von Craftbeer?
Craftbeer kann heutzutage alles und nichts heißen. Meiner Meinung nach ist eine Definition kaum mehr möglich. Hatte man sich noch vor einigen Jahren darauf geeinigt, dass es sich hierbei um handwerklich hergestelltes Bier aus kleinen, unabhängigen Brauereien handelt, gibt es heute riesige Brauereien, die sich kreativ austoben, aber alles andere als „handwerklich“ brauen – trotzdem brauen auch sie oft Bier, das schmeckt. Vielleicht ist Craftbeer Bier, das sich abhebt, das nach mehr strebt, Kreativität fordert – und häufig auf die Spitze getrieben wird. Am Ende ist Craftbeer aber immer eine subjektive und persönliche Erfahrung – man trinkt eben, was schmeckt.

2. Warum Craftbeer, wo liegt für dich die Faszination?
Ich reise gerne und früher habe ich an jedem Ort, an dem ich war, eine Postkarte zur Erinnerung gekauft. Mittlerweile haben Biere meine Postkarten abgelöst – sie sind wie kleine, individuelle Eindrücke in Flaschen und Dosen. Noch spannender wird es, wenn ich die Hintergrundstory des Bieres/der Brauerei kennenlerne und klar wird, warum sich ein bestimmtes Bier von anderen abhebt. Individualität ist eine wichtige Komponente, wenn es um Craftbeer geht. Schmeckt es dann auch noch, habe ich mein All-Inclusive-Paket! Kann ich mal eine Zeit lang nicht weg, ist jedes Craftbeer, das ich hier in Frankfurt trinke, ebenfalls sowas wie ein Kurzurlaub ;-)

3. Wie & Wann war dein erstes Mal… also mit Craftbeer?
Vor einigen Jahren gab mir mein bester Freund Bene das Riedenburger Dolden Sud IPA zum Probieren. Ich erinnere mich noch genau daran, dass ich das Etikett mit dem Elefanten darauf besonders gelungen fand. Begeistert von den fruchtigen Noten und der Hopfenbittere, die ich bis dato in Bieren so nicht kannte, begann ich, mich mit den verschiedenen Bierstilen zu beschäftigen. Bene hat mich biermäßig sehr beeinflusst. Da wir während des Studiums nur einen Steinwurf entfernt wohnten, saßen wir regelmäßig zusammen auf dem Balkon, tranken Bier und philosophierten über eine Welt, in der nur gutes Bier existierte. Später in Ohio wurde mir die Craftbeer-Vielfalt erst so richtig bewusst. Neben der Great Lakes Brewing Company in Cleveland, die ihr Craftbeer mit historischen Ereignissen auf dem Etikett verbindet, stahl mir die Hoppin‘ Frog Brewery in Akron mein Herz.

4. Deine Lieblingsbiersorte und was zeichnet sie für Dich aus?
Als bekennender Hophead: IPA! Damit kann man mich immer glücklich machen (das wissen gute Freunde und machen es sich zunutze ;-)). Ich mag es nicht nur richtig schön hopfig, mich fasziniert auch, wie unterschiedlich ein IPA von verschiedenen Brauern interpretiert werden kann. Ansonsten kommt es wie so oft auf Stimmung und Jahreszeit an – im Sommer geht schon mal eine Berliner Weisse, zu besonderen Anlässen trinke ich gerne auch mal ein Chocolate Stout.

5. Flasche oder Dose?
Egal – Hauptsache, es schmeckt! 99 % der Biere kommen eh erst mal ins Glas.

6. Wo kaufst Du hauptsächlich dein Craftbeer?
Woher bekommst Du hauptsächlich dein Craftbeer, außer natürlich in deinem eigenen Laden?

Am liebsten besorge ich mein Bier direkt vor Ort. Das ist wie mit Büchern – bevor ich sie kaufe, möchte ich sie in die Hand nehmen, die Kurzzusammenfassung hintendrauf lesen und schauen, wer der Autor bzw. Brauer ist. Und manchmal zieht auch mal ein schönes Cover/Etikett meine Aufmerksamkeit auf sich – aber hier gilt oft: Don’t judge a beer by its label. Mein Lieblingsladen in Frankfurt ist der Kiosk 45, da gibt es eine Riesenauswahl und ständig neue Biere – fast alle gut gekühlt. Der Günthersburgpark nebenan lädt zum Verweilen ein – zum Glück habe ich immer ein frisches Bierglas dabei!

7. Hast Du schon selber Bier gebraut, wenn ja was waren deine Erfahrungen, wenn nein warum nicht?
Ja! Die ersten Versuche fanden damals noch zusammen mit Bene auf dem Balkon statt. Mittlerweile braue ich auch alleine und es ist immer wieder ein Erlebnis – die Wohnung duftet nach Malz, man trinkt währenddessen ein Vorfreude-Bier und ist ganz gespannt auf das eigene Werk. Nur das Putzen danach dauert manchmal leider fast genauso lang wie das Brauen selbst ;-)

8. Wo liegt deiner Meinung nach die Zukunft von Craftbeer in Deutschland?
Bier war hier schon immer wichtig, mit Craftbeer nimmt es nun eine andere Rolle ein und rückt in den Fokus. Statt Bier zum Smalltalk gibt es nun Gespräche über das Bier selbst. Auch wenn Craftbeer noch immer ein Nischenprodukt darstellt, ist das eine schöne Entwicklung. Weiter ist mittlerweile bewusstes Trinken, also Genuss vor Quantität, wichtiger. Und das in allen Variationen! Aufgrund seiner komplexen Zusammensetzung sind dem Biergeschmack in seiner Vielfalt kaum Grenzen gesetzt. Ich wünsche mir, dass diese Biervielfalt sich in Zukunft weiterhin in Deutschland ausbreitet, auch über Regionsgrenzen hinweg. Toll wäre auch, wenn es in Kneipen und Restaurants bald solche Bierkarten gibt, wie sie oft bereits für Wein existieren.

9. Erzähl uns ein prägendes Erlebnis mit unserem beliebten Hopfensaft.
Puh, da gibt es wohl einige… Unvergesslich bleibt eine mündliche Prüfung während meines Studiums in den USA, die in einer Craftbeer-Bar abgehalten wurde. Der Professor selbst war ein ziemlicher Craftbeer-Fan und dachte sich, warum nicht Leistung mit Genuss kombinieren. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass die Prüfung ein voller Erfolg war!
Ein jährliches Ereignis, das ich nicht mehr missen möchte, ist das Camba Bierfestival mit Hobbybrauwettbewerb in der Old Factory in Gundelfingen (dieses Jahr am 29.09.2018). Dieses Event wird mit jedem Jahr etwas größer – dennoch bleibt die Atmosphäre sehr gemütlich. Es ist wunderbar, den begeisterten Austausch der Craftbeer-Community in entspannter Runde zu erleben und jedes Jahr ein neues Lieblingsbier zu entdecken. Ich hoffe, ich sehe den ein oder anderen von euch dort!

10. Was ist dein aktuelles Lieblingsbier das jeder mindestens einmal getrunken haben muss?
Mein Liebling im Moment: Liquid Sex Robot von Lervig Aktiebryggeri - fantastisch!

Wir bedanken uns 1000-fach bei der Hopfenkanzlerin für die Beantwortung unserer Fragen - Cheers ;-)
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